Seit meinem 9ten Lebensjahr habe ich über 33 Jahre lang geraucht und auch mit Alkohol startete ich auch sehr früh.
In meinem Elternhaus gab es Bier für den Vater und Wein für die Mutter. Für uns Kinder Mineralwasser, Milch oder ungesüßten Tee. Kaffee war für uns Kinder verboten.
Und ich, ich entdeckte für mich noch den Apfelmost.
Apfelmost ist gegorener Apfelsaft. Um ihn haltbar und auch schmackhafter zu machen gibt man zum vergären ein Anteil Schnaps mit rein.
Nun wenn meine Geschwister und ich etwas mit Geschmack trinken wollten, war da die Flasche Apfelmost genau das richtige und das einzige das im Haus war.
Dass man davon betrunken wird oder gar einen schlechten Atem bekommt hat mir keiner gesagt. Trunkenheit und Mundgeruch machen nun mal einsam.
Keiner wollte was mit mir zu tun haben und irgendwann beschloss ich dann für mich, dass ich niemanden brauche und sie alle sollten mich in Ruhe lassen. Die ersten Stacheln wuchsen. Hat sich jemand getraut mit mir Kontakt aufzunehmen, wurde diese Person sofort abgelehnt. Ganz klar habe ich auch immer mehr Mechanismen entwickelt, um nur ja meine Schutzmauern zu sichern.
Meine ersten Erfahrungen mit Bier und Zigaretten machte ich mit zwei Bekannten. Die eine brachte Bier mit und die andere Zigaretten.
Eigentlich wollte ich erst nicht aber nachdem sie diese ständige „Claudia ist ein Feigling“ - Sache gebracht hatten, machte ich halt doch mit. Heute kenne ich den Begriff Gruppenzwang.
Die erste Zigarette war grausam ich hustete und mir war speiübel. Nun ein paar Schlückchen aus der Bierflasche (Kreiseltrinken ) später ( Stiefeltrinken) ein paar Züge an der Zigarette dann wieder Schlückchen, Zügchen, Schlückchen….usw.
Irgendwann war ich dann auch zu Hause und schlich mich in mein Zimmer, denn meine Eltern durften ja nichts mitkriegen.
Das erste was ich in meinem Zimmer tat war erbrechen. Meine Eltern merkten nichts davon.
Am nächsten Tag durchsuchte meine Mutter meine Schultasche und fand die Schachtel Zigaretten. Sie stellte mich zur Rede. Ich kam durch, zumal mein Vater beim abendlichen Rapport sagte „….wenn sie Rauchen will, muss sie das selbst wissen“. Und das mit 9 Jahren.
Irgendwann kaufte ich mir dann selbst Zigaretten weil mir die eine Bekannte keine mehr gab. Dann brauchte ich die Zigarette.
Da ich ein Stadtkind war, fiel es nicht weiter auf, dass ich mich mehr und mehr in eine Art heile Traumwelt flüchtete. Das ging so, bis ich 15 Jahre alt war. Damals riss ich von zu Hause aus, lebte dann einige Zeit auf der Strasse schlief unter Brücken.
Ich lernte meinen heutigen Mann Karlheinz kennen, der nahm mich mit zu sich nach Hause.
Dort lernte ich dann ein ganz anderes Leben kennen.
Ich war sehr von dieser Familie fasziniert in der doch so ziemlich alles erlaubt war, wie z.B. Fernsehen am Nachmittag. Das gerade Gegenteil von meinem Zuhause wo alles fest strukturiert war. Und ich fühlte mich frei und wohl.
Es blieb nicht alles so glücklich, denn die Zeit brachte harte Umstände mit sich. Mit 18 hatte ich geheiratet. Ab 20 fing ich an eine geistig behinderte Person zu pflegen. Mit 28 kamen dann noch über Nacht drei Kinder dazu. Das war alles zu viel und wenn dann keiner hinsah und die Kids im Bett lagen, hab ich halt eine Flasche Bier getrunken. Da konnte man gut entspannen und auch vergessen was so den ganzen Tag gelaufen war. Die Jungs waren nicht gerade einfach. Eine Flasche Bier hält da nicht lange vor. So wuchs mein Konsum. Alkohol kostet auch Geld. Irgendwann durfte ich mich dann auch der Kostenfrage stellen. Wo landete ich? Beim Apfelmost! War halt das billigste.
Dann kamen Zeiten in denen ich trank, bis nichts mehr ging. Aber immer noch heimlich.
Eines Tages, im Jahre 1992 bekehrte sich auch noch mein Mann, während einer Trainingseinheit Krafttraining im Sportstudio zu Jesus Christus. Er ging eine Zeitlang in eine Gemeinde in Hammelburg, besuchte dort sogenannte Hauskreise und im August 98 lies er sich dann auch noch taufen.
Und damit war meine/unsere Ehe abgeschlossen und beendet. So dachte ich.
Wir hatten 1981 katholisch geheiratet und es war mir mit diesem Schritt klar, das wars. Ich bin in einem sehr streng katholischen Elternhaus groß geworden und hatte so mit 14 Gott endgültig den Rücken gekehrt.
Als wenn das nicht schon genug gewesen wäre, stellten sich noch Probleme wegen meinem Alkoholkonsum ein, denn der Alkohol in meinem Leben ließ sich nicht mehr kontrollieren.
Zu dieser Zeit machte ich schon einige Jahre Judo und hatte die Ausbildung zum Übungsleiter begonnen. Eine der Regeln in der Sportschule hieß: „Kein Alkohol auf den Zimmern“.
Wenn man auf Alkohol angewiesen ist, hat man spätestens jetzt ein mächtiges Problem. Meine Hände zitterten derart das einer der Ausbilder mich fragte was denn los sei. Zunächst schaffte ich es zu verheimlichen.
Aber irgendwann suchte der Ausbilder im Verein das Gespräch mit mir. Eines der härtesten Gesprächen in meinem Leben aber auch das heilsamste.
Zumindest habe ich während des Gesprächs das erste Mal anerkannt, das ich ein Problem habe und Hilfe brauche. Was für eine Erkenntnis. Es tat weh, der Wahrheit ins Gesicht sehen zu müssen. Einiges rechne ich ihm heute noch an.
1. Er hat sachlich, informativ mit mir geredet.
2. Er hat mich nicht angeklagt.
3. Er hat mir erklärt, dass er zu mir steht.
4. Er hat mir geholfen.
5. Seine Freundschaft angeboten.
Er war Polizist und hat mich vor jeder Einheit überprüft bis er sich sicher war, das ich nicht betrunken auf die Matte gehe. Das hat mir geholfen, denn ich unterrichte sehr gern.
Der nächste Schritt war dran.
1. Regel: Der erste Schluck, Autoschlüssel weg.
2.Regel: Das Glas halbvoll ausleeren und laut sagen „ Ich schaff das“ dann sofort ins Bett gehen. Das war schon mal gut, aber ich war noch nicht frei.
So wie Saulus, in der Apostelgeschichte Kapitel 7 Vers 58, auf die Kleider der Männer aufpasste, die Stephanus steinigten, und die Gemeinde verfolgte, so war ich.
Wann immer mein Mann Karlheinz betete – meinte ich einen Riesenlärm veranstalten zu müssen. Elektrosägen beim Mittagessen der Quirl extra lang und lautes Türenschlagen bis hin zu ständigem herummeckern.
Eines Tages wie es der „Zufall“ wollte, waren Karlheinz und ich gemeinsam an einer Grippe erkrankt und lagen krank im Bett. Beide lasen wir unsere derzeitige Lektüre. Karlheinz die Bibel und ich schaurige Gruselromane. So gegensätzlich war unser Leben. Er gut und ich böse.
Karlheinz ging jeden Freitagabend zum Hauskreis. Das ist ein Kreis wo man sich trifft und Austausch hat. Da wird gesungen und gelacht. Alles was es in unserer stressigen Situation nicht gab.
Der damalige Leiter dieses Hauskreises kam mit seiner Frau um mich persönlich zu einem Grillfest einzuladen.
Zu meinem Erstaunen fand ich sie auch noch nett. Dankbar das sie mich nicht gleich mit Jesus und Co. behelligten. Also, ein netter Nachmittag. Ich versprach, irgendwann mal in den Hauskreis zu kommen.
Immer wieder wurde ich an mein Versprechen erinnert. Und Versprechen werden auch nicht gebrochen. So hatte ich das gelernt und gab es kein zurück mehr.
Das Singen hat mir gut gefallen. Das war was für mich. Das wollte ich doch schon als Kind, singen und spielen. Außerdem waren die so abgespaced, da dachte ich mir, ich passe dazu.
Ich war neugierig geworden. Also ging ich mit in den Gottesdienst am Sonntag.
Nach dem Gottesdienst fuhr ich nach Hause um zu kochen. Das verrückte war, das ich nichts auf die Reihe brachte. Ich rief jemanden aus dem Hauskreis an.
Nach dem Gespräch schloss ich mit Jesus eine Abmachung. ER lässt mich kochen. Sollte ich innerhalb einer bestimmten Zeit das Essen ( Schweinebraten ) auf dem Tisch haben, werde ich IHN (Jesus) in mein Leben einladen. 20Minuten für einen Schweinebraten mit Klößen also los!! Was bei Menschen unmöglich ist, bei Gott ist es möglich.
Der Braten stand tatsächlich auf dem Tisch und ich bat darum beten zu dürfen. Die Gesichter, herrlich. Karlheinz dachte wahrscheinlich „Jetzt kommt der Herr persönlich!“ Immerhin hat er 7 Jahre gepredigt, geschafft, gezogen und außer Streit nichts geerntet.
An jenem Abend lud ich Jesus in mein Leben ein und ich weinte den ganzen Schmerz aus mir heraus und tat Buße für all die schlimmen Dinge die ich getan gesagt und gedacht habe.
Buße heißt ich kehre um und tu es nicht wieder. In meinem Fall vor Gott davon laufen. Dann habe ich Jesus gesagt, dass ER der Herr in meinem Leben sein soll und ER mich doch neu machen soll. Das war im Juli 1999.
Irgendwann war mir klar, ich kann nicht anbeten und gleichzeitig betrunken sein. Also tat ich Buße vor dem gesamten Hauskreis darüber, dass ich unter Alkoholeinfluss angebetet hatte.
Im nächsten Gottesdienst hatte ich ein inneres Bild.
In diesem Bild sollte ich alles Alkohol zum Kreuz bringen, vom Berg herunter gehen und nicht wieder, wie Lots Frau, zurück schauen.
Erst unten am Berg durfte ich zurück schauen und sah ein leeres Holzkreuz. Und ich wusste, dass mich Jesus vom Alkohol befreit hatte. Und das ist bis zum heutigen Tag so geblieben.
Aber dann war ja noch das Rauchen.
2005 konnten wir nicht zum Gottesdienst fahren weil Karlheinz krank war. Spöttisch meinte ich in der Art, dass die nicht rauchen und völlig gesund leben, als erste krank werden.
Sprachs und legte mich ins Bett. Am nächsten Morgen konnte ich kaum aufstehen, so elend war mir. Karlheinz dagegen fit und gesund.
Bis zum Nachmittag ging es mir so schlecht das ich kaum Luft bekam hab so richtig geröchelt. Da bekam ich es das erste Mal richtig mit der Angst zu tun. Hatte einen Erstickungsanfall nach dem anderen, plus gleichzeitig die Sucht; ich dachte ich sterbe. Probierte ich zu rauchen gegen die Sucht, bekam ich keine Luft. Bekam ich Luft, bekam ich gleichzeitig die Suchterscheinungen. Ich war fix und alle. Dann noch Fieberschmerzen. Ich schrie zu Gott, dass er mich sterben oder befreie soll.
Die Schmerzen ließen nach und ich kämpfte 3 Wochen mit Entzug.
Nach 3 Wochen war das schlimmste vorüber und von Tag zu Tag wurde ich gesünder und heiler konnte mehr und mehr aufstehen und schließlich ganz stehen bleiben. Das tat gut. Und ich hatte mehr Frieden und Ruhe wie jemals zuvor in meinem Leben.
In Jesus Christus fand ich eine Hand die mich aufhob, stärkte und völlig neu machte.
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