Mandy Trompelt

Von Gott gepackt und völlig umgekrempelt.

Ich bin in der ehemaligen DDR mit einer perfekten Kindheit aufgewachsen. Einmal fragte ich meine Eltern nach Gott und bekam zur Antwort: "Wenn es einen Gott gäbe, dann hätten ihn die Kosmonauten schon längst gefunden." Mit dieser Antwort gab ich mich zufrieden. Gott spielte in meinem Leben keine Rolle.
 
In der 6. Klasse gab mir meine Lehrerin einen Forschungsauftrag“: Finde  etwas über den 30-jährigen Krieg in unserer Heimat heraus!" Mit Feuereifer machte ich mich ans Werk. Die Ortschronik gab nichts her. Ich dachte mir: "Versuchs doch mal bei alten Leuten im Dorf. Vielleicht können die sich noch erinnern." Das war natürlich eine Fehlanzeige, denn aus der Zeit von 1618 bis 48 lebte nun wirklich keiner mehr. Doch auf diese Weise lernte ich Christen kennen. Sie erzählten mir von Jesus und der Bibel. Ich war mächtig beeindruckt. Natürlich sprach ich auch mit meinen Eltern darüber. Sie sagten mir: „Irgendwann wird die letzte Oma gestorben sein, die noch an Gott glaubt. Die Wissenschaft hat den Glauben an Gott längst widerlegt.“ Das glaubte ich meinen Eltern und ging nicht mehr zu diesen Christen. Vorher sagte ich ihnen auch ehrlich Warum. Sie versicherten mir, dass sie trotzdem für mich beten werden. Mein Entschluss stand fest: Ich wollte Kommunist werden. Mein Traumberuf war Pionierleiterin. Schließlich war ich fest überzeugt, der Sozialismus bringt den Menschen das Heil.
 
Dann kam die Wende. Für mich brach eine Welt zusammen. Ja, ich hatte wirklich geglaubt, dass der Sozialismus bald auf der ganzen Welt siegen würde und jetzt? Die Lehrer, die mir das immer versicherten, redeten nun ganz anders. Ich verstand die Welt nicht mehr. Insgeheim träumte ich dem Traum vom Paradies auf Erde weiter. Für Gott war auch jetzt noch kein Platz.
Doch Gott hatte meinem Platz schon lang fest. Im Sommer fand eine Jugendwoche in meinem Dorf statt. Das war Schulgespräch. Alle meine Freunde gingen da hin. Außer ich, nein solche alten Märchen brauchte ich wirklich nicht. Doch in den Pausen konnte ich nie mitreden. Also ging ich doch einmal mit. So hatte ich mir nie Kirche vorgestellt: Mit Graffiti, Schlagzeug und voller Jugend! Ich hörte genau zu. In meinem Herzen stand immer wieder diese eine Frage: „Was ist, wenn der da vorne recht hat?“
Nach der Veranstaltung sprach mich gleich unser Diakon an: "Na Mandy, wie hat es dir gefallen?" "Mhm, war schon nicht schlecht, aber ich glaube immer noch an dem Sieg des Kommunismus. Mit Kirche hab ich nichts am Hut!", entgegnete ich voller Überzeugung.
Immer wieder tauchte die Frage in mir auf: Was ist wenn die in der Kirche recht haben? Dann habe ich ein ernstes Problem.
 
Ein halbes Jahr später hingen erneut Plakate einer Jugendwoche in der Schule. Irgendetwas zog mich wieder hin. Ich konnte es noch nicht benennen. Der Titel dieses Abends lautete: "Gottes letzter Versuch". Wahrscheinlich war  er das auch wirklich.
Die große Stadtkirche war überfüllt. Gebannt horchten wir auf Theo Lehmanns Predigt. Er redete klar. Es wird einmal ein Gericht geben. Dort wird klar geschieden, zwischen Gerechten und Ungerechten. Nur mit Jesus hast du eine Chance zu den Gerechten zu gehören. Den Aufruf zur Bekehrung folgten viele Jugendliche. Nach der Veranstaltung ging ich zu Theo und wollte ihm erklären, das es keinen Gott gibt. Dieses Vorhaben scheiterte natürlich. Theo ließ sich von mir nicht überzeugen. Aber ich bekam eine Bibel geschenkt. Dann fuhren wir alle nach Hause. Erklären konnte ich es keinen, trotzdem spürte ich, irgendetwas war anders geworden.
Daheim wurde ich mit meiner Bibel in der Hand von meiner Familie belächelt. Trotzdem begann ich darin zu lesen. Viele Fragen tauchten auf. Damit ging ich zu unserem Diakon. Er musste das doch schließlich wissen. Geduldig beantwortete er meine vielen Fragen.
 
Dann lud er mich zur JG ein. Ich kam, mit gemischtem Gefühl. Was werden die anderen sagen, wenn ich in die JG gehe. Die wissen doch, wer ich früher war. Doch keiner regte sich auf. Ja, sie schienen sich sogar zu freuen, dass ich kam. Der Abend ging los. Sofort spürte ich, was diese Jugendlichen machten war echt. Die spielten kein Theater. Wenn sie sangen, beteten oder über Gott sprachen kam das echt vom Herzen.
 
Irgendwann, mal abends im Bett, wurde es mir deutlich: Du musst jetzt eine klare Entscheidung fällen! Ich kniete vor mein Bett und übergab Jesus mein Leben ganz. Damit wurde echt etwas neu. Ich begann mit einem Mal die Welt mit ganz neuen Augen zu sehen. Jeden, den ich traf, musst ich erzähle, dass Jesus jetzt mein Herr ist. Dabei war es mir egal ob es ein Lehrer in der Schule oder die Nachbarin war. Damit begann eine anstrengende Zeit für meine Eltern. Viele aus meinem Dorf fragten sie was denn mit mir los sei? Meine Eltern waren aber genauso hilflos wie sie. Es gab oft Streit daheim. Ich war heiß für Jesus und meine Familie meinte, ich sei in eine Sekte geraden. Mir hat in der ersten Zeit auch wirklich das Taktgefühl oft gefehlt. Mit der Zeit wurde ich ruhiger. Meine Familie und ich lernten neu miteinander umzugehen. Wir lernten uns zu tolerieren. Auch heute sind meine Eltern noch Atheisten. Doch ich wünsche mir von ganzen Herzen, das Jesus auch ihr Heiland wird.
 
Heute bin ich Gemeindepädagogin. Manchmal fragen mich Jugendliche: Was ist das größte Wunder, was du mit Gott erlebt hast? Dann kann ich nur sagen: Ich selber, das ich glauben kann und Gott mich zu seiner Botin gemacht hat. Seine Botschaft der Rettung gilt jedem Menschen. Wer sich ganz auf ihm einlässt, mit dem macht er die verrücktesten Dinge. Manchmal bleibt mir die Luft weg, wenn ich zurückdenke. Er hat Großes getan. Ich habe sein Wirken erlebt.  Ihm allein will ich die Ehre geben!
 
Meine offizielle Berufsbezeichnung ist Religionspädagogin. Das will ich auch von ganzen Herzen sein, da hier der Schwerpunkt auf den Menschen liegt, vor allen Kinder und Jugendliche. Im Gegensatz zum Pfarrer, der sich immer mehr zum Manager entwickelt bei uns in der Kirche. Ich habe jetzt meine Zusatzausbildung zum Prädikaten fast fertig. Ich warte immer noch auf die Bestätigung vom Landeskirchenamt.

Mandy ist in Flöha im Landkreis Freiberg tätig.
Ihr ursprüngliches Lebenszeugnis ist wesentlich länger. Wer dieses gerne lesen möchte, der schreibe sie persönlich an.

In den Sommermonaten ist sie missionarisch bei der Zeltmission am Knappensee tätig und bei der Erlebniswoche um Spätaussiedler zu erreichen.